05 Mai 2012

Mehr Blogger braucht das Land: Rüchblick von der re:publica 2012

Es ist Samstag Morgen, halb zehn in Deutschland. Heute Nacht um halb eins hat mit mein Zug wieder in meiner Heimat abgesetzt, nachdem ich drei Tage im wunderschönen Berlin auf der re:publica verbracht habe.

What the hell is re:publica?

Die re:publica ist die Konferenz zum Thema Web 2.0, die seit 2007 jährlich in Berlin stattfindet. Drei Tage gibt es Vorträge und Workshops zu Weblogs, Sozialen Medien und der digitalen Gesellschaft. Eine ganze Menge Menschen pilgerte in diesem Jahr in die STATION Berlin um sich auszutauschen, zu diskutieren und Spaß zu haben. Jetzt wisst ihr Bescheid, zurück zum Thema:

Tim Pritlove zum Thema "Die Wiederentdeckung der
Langsamkeit - warum Podcasts funktionieren."
Ich war da

Genau: Ich war in diesem Jahr erstmals vor Ort und habe mich unter die Massen gemischt. Schon am ersten Abend sagte Sascha Lobo den Satz, der meiner Meinung nach die ganze Veranstaltung prägte: "Macht geile kleine Blogs auf!"


Ja, ja, ja! Ich bin auch schon voll dabei! Aber was wollte Herr Lobo uns eigentlich genau sagen? Facebook und Co. sind in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen, haben uns alle in ihre Welt gesaugt und jetzt verbreiten wir unsere geistigen Ergüsse, Ideen, Berichte, Bilder und Videos, gepaart mit jeder Menge Daten über uns und unser Konsumverhalten, beinahe nur noch über diese Kanäle.

Ein Problem, über dass die meisten von uns mit einem Schulterzucken hinweggehen: Wir bilden uns zwar ein, die volle Kontrolle über all diese Datenmengen zu behalten. Auf den zweiten Blick wird klar: Da häufen sich auf unterschiedlichen Kanälen ganz schön viele, teilweise auch sensible Daten an. Für sich genommen vielleicht unkritisch, aber irgendwann werden die "kleinen" (Instagram, flickr) an die großen verscherbelt. Und schon wieder haben Google und Facebook mehr über euch erfahren. Eine schwierige Situation - und ein Grund mehr sich zu überlegen, ob wir wirklich jedes Detail über unser Leben ins Netz stellen sollten. Das kann daneben gehen, wie Herr Marcus Lindemann am gestrigen Freitag eindrucksvoll belegte. Seine Herangehensweise wurde gestern zwar leidenschaftlich diskutiert, seine Ergebnisse sind aber in jedem Fall sehr spannend und rütteln auch auf. Eine kurze Zusammenfassung seiner Arbeit findet ihr in dem c't Artikel "Ihr guter Ruf im Web" den ich nur jedem ans Herz legen möchte.

Aber das ist nur ein side effect. Worum es Sascha Lobo und auch einige andere engagierte Blogger uns sagen wollten: Wir lassen unsere Kreativität, unsere Meinungen und unseren Content zunehmend in die Form dieser Netzwerke quetschen. Freie Entfaltung in Bild, Schrift und Ton ist da nicht wirklich möglich und irgendwie ja auch nicht gewollt. Statt seichtem Geschwafel brauchen wir heute mehr denn je mehr Tiefgang, provokante Artikel und vor allem sehr viel mehr Diskussion. Das können Blogs leisten, vor allem weil sie sehr spitz Zielgruppen ansprechen können. Das macht ihre Vermarktung natürlich schwieriger, wie Jörg Blumtritt, René Walter, Vasco Sommer-Nunes und Nico Lumma später erklärten. Aber auch sie zogen das Fazit: Qualität zahlt sich aus und Blogger sollten den Wert ihrer Arbeit erkennen und im Falle einer Vermarktung auch einfordern. Allerdings ohne ihre Authentizität zu verlieren.

Mein Fazit nach drei Tagen in der Netzwelt: Mehr Blogger braucht das Land! Jungs, Mädchen: Ran an die Tasten! Wir wollen eure Texte sehen!

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